Ja! Es musste mal wieder sein. Wenn man einmal in dem Fieber ist kann man davon nicht mehr loskommen.
Es musste also mal wieder ein neues Restaurationsobjekt für den Winter her. Nein, dieses mal keinen Lanz. Warum nicht? Naja ich habe ja schon zwei von dieser Sorte und letztendlich ist ja doch jeder gleich. Also muss abwechslung her.

Nur welcher? Meine Bedingungen sind immer Rustikale Technik, Einfach aufgebaut. Robust. Schwer. Viele der deutschen Hersteller fallen da leider schon aus meiner Auswahl raus. Außerdem sieht man davon auf den Schleppertreffen einfach zu viel. Ich finde sie zwar sehr schön, aber als Restaurationsobjekt kommt es für mich eben nicht so in frage.

...Zum Glück gibt's dafür ja noch John Deere. Schon seit längerer Zeit interessiere ich mich für die Letter Series von John Deere. Davon besonders die Großen. Durch den extremen Benzinverbrauch der Modelle A und B kamen die leider nicht näher in Frage. Außerdem störte mich ein bisschen das 3-Rad Design. Ist bei uns zwar völlig außergewöhnlich, aber dennoch sehr gewöhnungsbedürftig.
Letzendlich bin ich bei einem John Deere Model R gelandet. Es war der erste Diesel Schlepper von John Deere überhaupt, davor waren es ausnahmslos Benzin- und Gasmotoren.

Ich versuchte mein Glück einfach mit einer Anzeige im Internet, und habe sofort Resonanz von einem bekannten Lanz Bulldog Händler bekommen. Zusätzlich habe ich mir noch ein paar Angeboten aus Holland eingeholt.

Letztendlich habe ich mich doch für den ersten entschieden. Bei der Besichtigung stellte sich zwar raus, dass ein haufen Wasser im Motor ist und entsprechende Rostschäden zu erwarten waren. Er ging jedoch zu einem relativ günstigen Preis über den Tisch, sodass die Motorüberholung mit einkalkuliert werden konnte und das Besondere ist eine 3-Punkt Hydraulik hinten. Die 3-Punkt Hydraulik ist zwar nicht original. Wurde aber sorgfältig angebracht. Ideal für mich, denn ich arbeite ja ganz gerne mal mit meinen Schleppern.

Beim Besichtigen ergab sich foglendes Bild vom Schlepper:

Wie man sieht, einen Haufen Arbeit. Das Blech ist mäßig, zum teil stark Verbeult. Aber alles zum Richten. Beide Motoren laufen, im Diesel ist wie bereits erwähnt aber ein Haufen Wasser drin. Beide Motoren?! Ja richtig gelesen! Der John Deere Model R hat zum Starten des 2-Zylinder Dieselmotors mit knapp 7 Litern Hubraum einen Zweiten kleinen 2-Zylinder Viertakt Boxer Benzinmotor mit 400 cm³ und ca. 10 PS bei 4000 U/min! Damals gab es keine einfachen, starken elektrischen Anlsser, sodass auf diese ungewöhniche Startmethode gegriffen wurde. Der Benzinmotor wird dabei normal mit kleinem elektrischen Anlasser gestartet, und nach dem Anlaufen vom Dieselmotor wieder abgestellt. Das Einkuppeln vom Benzinmotor geschieht manuell vom Fahrerstand aus.
Der Anlassermotor hat seinen eigenen Luftfilter, eine eigene Ölfüllung. Nur die Kühlwasserkreisläufe hängen zusammen. Hat den vorteil, dass man dadurch mit dem Anlassermotor den Dieselmotor vorwärmen kann. Zusätzlich erwärmt auch das Abgas des Anlassermotors über einen Wärmetauscher die Ansaugluft vom Dieselmotor.
Hier erkennt man den Startermotor mit seinem Luftfilter:

Los ging es mit dem Zerlegen des Schleppers. Zuerst wurden sämtliche Blechteile entfernt. Sie sind wie bereits erwähnt bis auf ein paar Durchrostungen und Beulen noch brauchbar bzw. Zum Richten. Nur das Ansaugrohr ist sehr Schlecht. Außerdem fehlt das Auspuffoberteil. Beide Teile sind jedoch neu zu bekommen, also alles kein Problem.
Der Anlassermotor kann sehr einfach entfernt werden. Das wurde echt gut gelöst. Er ist in relativ gutem Zustand und braucht kaum Kur. Nur saubermachen, ein Satz neue Zündkerzen, der Vergaser braucht einstellen. Sowie die Kupplung zum großen Motor braucht eine Überprüfung. Sonst ist hier alles oK!
Im Dieselmotor war leider wie zu erwarten sehr viel Wasser drin. Nach dem Entfernen des Kurbelgehäusedeckels ergab sich folgendes Bild:

Jede Menge Wasser/Öl Gemisch Matsch und Baaz, aber kein Rost! Schonmal eine Erleichterung! Die Kurbelwelle dreht auch spielfrei in ihren Lagern, wird also nicht ausgebaut. Die Pleuellager machen auch noch einen guten Eindruck und können wieder verwendet werden. Die Hubzapfen sind Einwandfrei und Spiegelblank.
Die Zylinderlaufbuchse ist leider durch Rost extrem rau und nicht mehr zu gebrauchen. Möglicherweise wäre er zwar noch länger gelaufen, hätte jedoch massiv Öl in den Brennraum geschoben, da die Kolbenringe nicht mehr abstreifen. Also eine riesen Sauerei. Also gibt es einen Satz Übermaßkolben, die Zylinder werden entsprechend größer gebohrt.

Die Beiden Kolben mit Pleuelstange sind durchaus beeindruckend. Zwar nicht die Maße wie beim Lanz D6006, aber doch ordentlich mit 3,5 Litern je Zylinder. Besonders die Kurbelwelle ist gigantisch. Mit Hubzapfen von 101,6 mm Durchmesser und ohne Lager zwischen den beiden Kröpfungen, kann man sich vorstellen wie massiv die Welle gebaut ist.
Einer der Kolben ist bereits von der Pleuelstange getrennt und zur Nachfertigung in Übermaß gegeben. Alles kein Problem.
Glücklicherweise verflüssigt sich der Wasser/Öl-Matsch von selbst, wenn das Wasser verdunstet. Nach ein paar tagen Stehen war das Kurbelgehäuse von alleine Nahezu komplett sauber:

Ein Weiteres Bangen gab es beim Öffnen vom Getriebe. Auch hier kamen einige viele Liter Wasser zur Ölablasschraube heraus. Als der Deckel auf war, die große Erleichterung: Dadurch, dass immer eine schicht Öl über dem Wasser stand, gibt es keinen Rost im Getriebe! Alles OK! Auch alle Zahnräder super, kein Karies, keine Pittings, kein Verschleiß. Lager laufen alle leicht und spielfrei. Was will man mehr?

Das Getriebe braucht nur einmal auswaschen. Außerdem ist der Getriebeölfilter der Getriebeölpumpe ausgebaut und wird gereinigt. Ansonsten wird hier nichts gemacht!
Die Zapfwellenkupplung funktioniert und braucht nur nachgestellt werden. Hinten der Zapfwellenstummel braucht nur eine neue Dichtung und 2 neue Lager, alles kein Problem.
Die Vorderachse muss auch raus, das das rechte vordere Radlager nicht mehr sauber läuft. Es muss getauscht werden. Die Lagerbuchsen der Achsaufhängung mache ich auch neu, da leichtes Spiel vorhanden ist. Der Vorderachsbolzen ist auch stark ausgeschlagen und muss überarbeitet werden. Diese Arbeiten sind an meiner Drehbank problemlos möglich, sodass die Kosten gegen 0 gehen! :)
Das ist am 02.10.2013 der Stand der Dinge. Der Schlepper steht nur ziemlich nackig da und es geht an's Aufarbeiten der Einzelteile. Weitere Details folgen!

Leider stellte sich heraus, dass die Lageung des Ölpumpen- und Zapfwellenantriebs nicht mehr gut war. Um da ran zu kommen muss das Differential ausgebaut werden, also muss auch der hintere Getriebeblock zerlegt werden. Also wurde erst einmal das Komplette Zapfwellengehäuse demontiert, wodurch der Blick auf die riesigen Antriebszahnräder der beiden Achsen hinten frei wurde. Das sind definitiv Lanz Dimensionen, nur 2x das ganze :)

Die Zapfwellenkupplung wurde komplett zerlegt und gereinigt. Die Kugellager (alle metrisch) wurden erneuert, sie waren doch schon ganz schön ausgeschlagen. Scheinbar hat der Schlepper relativ viel mit der Zapfwelle gearbeitet.

Nun konnte der Schlepper getrennt werden. Letztendlich muss man "nur" vorne sicher unterbauen, alle Schrauben lösen und das Hinterteil samt Reifen nach hinten wegrollen. Das hat auch ganz gut funktioniert. In dem zerlegten Zusatand konnte man sehr gut das Spiel der beiden Hinterachsen überprüfen. Zum Glück ist hier alles OK.
Im folgenden ein Bild während dem Zerlegen des Hinterteils:

Um nun das Differential zu entfernen, musste nur der linke Lagerdeckel geöffnet werden, dann kann es als komplettes Paket nach hinten entfernt werden. Das Differential ist ganz schön massiv gebaut und der Deckenkran musste helfen, heben ist in der misslichen Lage praktisch unmöglich.
Ein genauer Blick auf den Lagerdeckel zeigte deutliche Laufspuren bzw. Ausbrüche am Lageraußenring. Woher kam das? Ich dachte erst an einen Rostschaden wegen dem Wasser. Alle anderen Lager, auch das rechte vom Differential, sind einwandfrei, also wurde die Theorie des Rostschadens immer unwahrscheinlicher.

Das Zerlegen des Differentials brachte die Antwort. Das Differential hatte auf der linken Seite irgendwann mal gefressen und nahezu blockiert. Die gesamte Last hat sich auf das Lager übertragen und durch die extreme Überlast kam es zu den Materialausbrüchen. Der Schlepper wurde aber ohne Reparatur weiterverwendet, wodurch die Fressspuren weitestgehend selbst wieder verheilt sind. Auch das Lager hat diese Zeit scheinbar noch problemlos überlebt. Möglicherweise hat der Fahrer gar nicht gemerkt, dass das Differential am Fressen war?
Nagut, nachdem die Fresser von selbst wieder verheilt sind, wird das Differential unverändert weiterverwendet. Nur die beiden Kegelrollenlager werden erneuert. Da es sich um zöllige Lager handelt, war die Beschaffung nicht ganz einfach, aber ich habe einen Lieferanten in Deutschland gefunden, der alle zölligen Lager sofort verfügbar hatte.
Um die Wartezeit auf die Lager zu verkürzen, wurde zwischenzeitlich die Lagerung von dem Zapfwellen- und Ölpumpenantrieb überprüft und eingestellt. Außerdem ging es an die ersten Blech- und Kleinteile. Diese wurden gründlich gereinigt und abgeschliffen, wo erforderlich ausgebeult und geschweißt und schließlich in John Deere Grün neu lackiert.

Endlich kamen auch die neuen Lager, original Timken made in USA :)

Nun konnte das Differential wieder montiert werden, sowie der Hinterteil mit den beiden Achsen. Der Schlepper wurde nun sicher aufgebockt und die Hinterreifen wurden demontiert. Nicht ganz einfach, denn auf jeder Seite waren je 3 zusätzliche Radgewichte (~75 kg/Stück) montiert. Außerdem sind die massiven Gussringe, auf denen die Felgen verklemmt werden, extrem schwer. Zum Glück waren die Gussringe nicht auf den Keilwellen der Hinterachsen festgerostet, sodass die Demontage letztendlich relativ problemlos war. Das Zapfwellengehäuse wurde wieder montiert und das Lenkgetriebe spielfrei eingestellt. Der Schlepperrumpf war nun bereit für die Reinigung.

Die Reinigung erfolgte duch gründliches Abbürsteln mit Flexdrahtbürsten. Insgesamt kamen da locker 10 kg Dreck runter. Zum Schluss wurde noch entfettet, und Lackiert

Sieht doch gleich schon viel besser aus :)
Was ist eigentlich zwischenzeitlich mit dem Anlassermotor passiert? Mein Vater hat diesen komplett überholt. Alles wurde gründlich gereinigt, einiges am Vergaser überarbeitet, die Magnetzündung überarbeitet. Der Anlasser hat neue Kohlen bekommen. Neue Zündkerzen gibt es natürlich auch. Ansonsten hielt sich der Verschleiß des Pony Motors in Grenzen, weshalb er bereits auf den Einbau wartet

Die Vorderachse wurde wie bereits erwähnt wieder rund gebohrt, außerdem wurde an der Bohrung ein kleinerer Riss geschweißt. In die Übermaßbohrung wurde eine Bronzebuchse eingesetzt. Der Aufhängebolzen wurde natürlich auch erneuert. Nun konnte die Vorderachse lackiert und wieder montiert werden. Bei den Achsschenkeln wurden alle Lagerbuchsen erneuert. Die Bolzen können weiterverwendet werden.
Die Keilriemenscheibe der Lüfterwelle wurde irgendwann mal fest mit der Lüfterwelle verschweißt. Beim Zerlegen ist leider die Riemenscheibe gebrochen. Ist aber nicht weiter schlimm. Die Lüfterwelle war original in seltsamen Schrägkugellagern gelagert. Diese waren derart verschlissen, dass sie beim Zerlegen auseinandergefallen sind und ich Kugelsalat hatte. Die Lagerung habe ich auf metrische Kegelrollenlager umgebaut. Die Riemenscheibe wird zukünftig mit einer Taperbuchse befestigt. Nach dem Lackieren und Montieren ergab sich folgendes Bild:

Damit der Schlepper nicht schon wieder total einstaubt, habe ich ihn mit einer Folie abgedeckt.
Nun konnten die neuen Vorderradlager montiert werden:

Damit der Karrn wieder sicher steht, mussten nun die Reifen dran. Die Felgen waren alle OK und mussten nur gereinigt und lackiert werden. Die Vorderreifen waren auch noch in brauchbarem Zustand bzw. wurden vermutlich vom Vorbesitzer mal erneuert, da sie noch nie gelaufen sind. Hinterreifen gab es einen satz neue in der Größe 18.4 - 34.
Nachdem alle Felgen und Radgewichte lackiert waren, konnten die Reifen wieder montiert werden

So langsam kann man schon sehen, wie er mal aussehen wird :)
Nun wurde stück für Stück wieder alles Montiert. Zuerst das Schwungrad, dann die Kupplung. Die Kupplung hat neue Beläge erhalten und wurde neu eingestellt. Die Lenkbremse wurde ebenfalls neu belegt und eingesetllt.

Der Zylinderkopf wurde zerlegt und eine undichte Stelle mit JB Weld geklebt. Nein, es handelt sich um keinen Riss. Um die Einspritzdüsen herum sind Kupferhülsen eingepresst, diese haben Kontakt zum Kühlwasser. Die Abdichtung erfolgt hinten nur durch Passung, vorne ist ein O-Ring vorhanden. Im hinteren Bereich war alles OK, aber ein O-Ring hat sich wohl verabschiedet. Ich wollte die Hülsen nicht entfernen, da ich mir nicht sicher war ob man die Passung je wieder dicht bekommt. Also habe ich in dem Bereich der Leckage alles gründlich gereinigt und etwas JB-Weld drauf. Schauen wir mal ob es dicht hält. Die Leckage war früher auch schon bekannt, da hier über die Einspritzdüse Dichtschnur gewickelt war.
Die Ventile (Was für riesen Dinger!) wurden gereinigt und vorsichtig neu eingeschliffen. Das Tragbild ist gut und sie halten ausreichend dicht.

Es folgte die Monate der Fahrerplatform und der Halteteile für die Hydraulik. Die Kotflügel wurden montiert und der hintere Teil der Haube. An den Blechteilen gab es zum Teil größere Reparaturen wegen größeren Rissen und starken beulen. Die Risse wurden alle geschweißt bzw. gelötet und die Beulen weitestgehend entfernt. Hier habe ich jedoch nicht auf perfekte Glattheit und Hochglanz hingearbeitet. Man darf hier ruhig sehen, dass es sich um einen alten Schlepper handelt.

Die Hebelage konnte nun auch wieder montiert werden. Von links nach rechts: Einrückhebel Pony Motor, Dekompressionshebel, Schalthebel, Zapfwellenkupplung und Fahrkupplung. Sämtliche Hebel waren mehr oder weniger stark ausgeschlagen, sodass neue Bolzen und Lagerbuchsen gedreht wurden.

Zwischenzeitlich sind auch die Ersatzteile aus USA eingetroffen: Ein neues Kühlernetz, sämtliche Filter, Kopfdichtung und Auspuffdichtungen, Dekorbogen, neuer Auspuff, neues Ansaugrohr, Kühlerjalousie, Lenkrad, Armaturen und noch etwas kleinzeug.

Nach dem Montieren der ersten Armaturen sah der Fahrerstand schon wieder ganz schön aus. Das Verlegen der Elektrik konnte beginnen. Das ist leider nicht ganz einfach, da man im montierten Zustand nicht hinter das Armaturenbrett kommt. Man muss die Leitungen daher ausreichend lang lassen, um bei Bedarf das Armaturenbrett nach hinten wegziehen zu können.

Nun sind auch die neuen Kolben eingetroffen. Es handelt sich um eine Sonderanfertigung nach altem Muster. War gar nicht mal so teuer und die Qualität ist hervorragend. Nun müssen nur noch die Zylinder geschliffen werden und schon kann es losgehen mit dem Zusammenbau des Motors.

Aktuell (05.01.2014) beschäftige ich mich noch mit der Hydraulik. Diese wurde nachträglich mal angebracht und es handelt sich um einen kompletten Eigenbau. Da waren Tüftler am Werk. Zum Teil nicht sonderlich sauber gemacht, aber es wird alles überholt und verbessert, schließlich ist die Hydraulik sehr praktisch wenn ich mal ackern möchte.

Das Ende naht...
Während der Zylinder beim schleifen war, installierte ich bereits die komplette Elektrik. Um den deutschen Standards konform zu werden, braucht man Blinker + Warnblinker, Standlicht und Abblendlicht, Rücklicht und natürlich eine Kennzeichenbeleuchtung. Da der John Deere R nur ca. 20 km/h schafft, braucht man kein Bremslicht, dieses ist erst ab 25 km/h erforderlich. Die Batterie war ursprünglich unter dem Fahrersitz. Da bei meinem an dieser Stelle jedoch die Hydraulik sitzt, habe ich die Batterie einfach mit unter die Haube gepackt, da ist genügend Platz für eine 35 Ah Batterie. Zum Starten des kleinen Pony Motors ist diese mehr als ausreichend.

Da der mitgelieferte Sitz nicht mehr zu gebrauchen war und auch die Halterung extrem zerfault war, besorgte ich mir einen neuen Standardsitz. Eine entsprechende Halterung, die gut mit der Hydraulik zusammenpasst, habe ich mir selbst zusammengeschweißt. Inzwischen konnten auch die restlichen Armaturen montiert werden, sodass der Fahrerstand nahezu komplett ist:

Wie immer arbeitete meine Motoreninstandsetzung sehr schnell, sodass der Zylinder nicht lange auf sich warten ließ. Wie gewohnt ist die Schleifarbeit bestens ausgeführt worden und der Zylinder konnte montiert werden. Auch die Einspritzpumpe wurde montiert und bereits entlüftet. Da beim Model R alles unter Deckeln versteckt ist, war das Entlüften in dem offenen Zustand sehr einfach.

Glücklicherweise habe ich auch das ganze Kraftstoffsystem auf Anhib dich bekommen, also kein Tropfen bei sämtlichen Leitungen, dem groben Vorfilter und den beiden Feinfiltern. Auch das Schauglas, welches extrem versifft war, habe ich mit der Hilfe von etwas Salzsäure wieder wunderbar sauber bekommen!

Die Kolben wurden nun mit den Ringen bestückt und mit den Pleuelstangen verbunden. Die neuen Kolbenbolzen haben ein leichtes Übermaß und die Lagerbuchsen in der Stange wurden entsprechend etwas aufgebohrt. Bei der Montage gab es keinerlei Schwierigkeiten.

Das Montieren der Kolben war auch völlig unproblematisch. Zuerst die Zylinder und Kolben sehr gut einölen, Kolbenringspannband aufziehen und die Kolben jeweils mit einem kleinen Ruck in den Zylinder schieben. Dank des Kolbenringspannbands, welches ich von einem Freund ausgeliehen habe, hakelte hier gar nichts und die Montage war in wenigen Minuten abgeschlossen. Die Pleuellagerschalen wurden eingelegt, und die Lagerdeckel mit entsprechendem Drehmoment laut Werkstatthandbuch angezogen - fertig!

Der Zylinderkopf konnte nun mit neuer Dichtung montiert werden und alle Schrauben wurden mit entsprechendem Drehmoment angezogen. Einspritzdüsen und Leitungen wurden montiert und angeschlossen. Dann noch Kipphelbelwelle dran und Ventile einstellen und dann war auch hier soweit alles erstmal fertig.

Schließlich konnte die Endmontage beginnen. Der Ponymotor wurde aufgesetzt und verschraubt sowie die Bediengestänge befestigt. Der Kühler wurde aufgebaut und verschraubt. Um eine absolute Dichtheit zu gewähren, habe ich neben den Papierdichtungen überall noch Dichtmasse zusätlich verwendet. Denn was gibt es ärgerliches als ein tropfenden Kühler. Durch die Dichtmasse war das alles unproblematisch und das komplette Kühlsystem inklusive Ponymotor war auf anhib dicht.

Die vordere Haube wurde noch montiert, und mein Johnny war fertig für den ersten Start!

Der große Spannende Moment war also gekommen! Nur noch Motor- und Getriebeöl auffüllen, Motorölstand für den Ponymotor kontrollieren, Benzin für Ponymotor auffüllen und dem ersten Start sollte nichts mehr im Wege stehen. Zuerst ging es darum, den Ponymotor richtig einzustellen. Der erste Start war erstaunlich unproblematisch und nach kurzem Ziehen am Anlasserknauf blubberte der Zweizylinder Boxermotor los. Erinnert vom Sound her etwas an ein BMW Boxermotorrad ;)
Der Vergaser wurde eingestellt für optimales Laufverhalten, nebenbei wurde auch ständig der Öldruck kontrolliert. Der Ponymotor hat keine eigene Öldruckanzeige, jedoch eine kleine Verschraubung wo man ein externes Messgerät anbringen kann. Glücklicherweise lag der Öldruck knapp über dem Sollwert, also alles in Ordnung.
Nun ging es an den ersten Start des Dieselmotors. Zuerst wurde der Dieselmotor mit dem Ponymotor ohne Kompression und ohne Gas durchgedreht, um auch hier Öldruck aufzubauen. Etwas entsetzt war ich, als sich die Nadel des Öldruckmanometers überhaupt nicht bewegte. Glücklicherweise lag es nur an der Öldruckeinstellschraube. Diese habe ich während der Restauration nur "auf gut Glück" vorgespannt und es war einfach zu wenig. Also ein paar Umdrehungen mehr und schon ging der Öldruck bereits beim leeren Durchdrehen mit dem Ponymotor in den grünen Bereich. So nun wurde es spannend: Dekompressionshebel loslassen und der Pony Motor dreht den Diesel über die Kompression. Nun etwas gas geben und es wird diesel Eingespritzt. Bereits nach 2 Umdrehungen erwachte der erste Zylinder zum Leben. Scheinbar war in der Einspritzleitung des zweiten Zylinders noch etwas Luft, aber nach wenigen Sekunden erwachte auch der zweite Zylinder und der Johnny lief einwandfrei mit perfektem Öldruck, und erstaunlicherweise auch völlig Rauchfrei, trotz der alten Einspritzpumpe und den alten Düsen!
Selbstverständlich gibt es auch ein Video von dem allerersten Start:

Nach einigen Probefahrten über die Felder und Einstellungen läuft der Johnny nun einwandfrei. Das Fahren ist durch die Handsteuerung etwas gewöhnungsbedürftig, nach kurzer Eingewöhnung ist es jedoch auch nicht viel anders als mit einem üblichen Schlepper. Dang des hohen Drehmoments des Motors ist auch das Anfahren im 5. Gang halb so wild. Man muss hier sogar sehr aufpassen mit dem Einkuppeln. Macht man es zu schnell, würgt man den Motor eher nicht ab, sondern macht einen schönen Bocksprung.

Mein Johnny wartet jetzt noch auf sein TÜV Gutachten und dann geht es auf die Straße zu den ersten Öldtimertreffen. Ich bin gespannt... :)
Aktueller Stand: 12.04.2014

Das TÜV Gutachten hat geklappt und der Johnny ist nun im deutschen Straßenverkehr zugelassen (Stand: 02.05.2014). Ich freue mich auf die ersten Treffen :)

Ich erkläre hiermit den Johnny als fertig und den Restaurationsbericht als abgeschlossen :D

ENDE!