Nein, ich habe keinen Pampa mehr. Ich möchte aber trotzdem über meinen Neuerwerb berichten.
Seit 04.08.2010 bin ich im Besitz eines Halbdiesel Lanz Bulldog D6006 Bj. 1960. Es handelt sich um eine Exportmaschine, die aus Südafrika reimportiert wurde.

Es handelt sich um einen sehr späten großen Halbdiesel, der nach der Übernahme von John Deere gebaut wurde, daher die grün-gelbe Lackierung. Ein paar Reste davon sieht man noch.
Typisch für die Exportausführung ist die Riemenscheibe auf der Kupplungsseite und das einfache Glühkopfgetriebe ohne Kriechgänge und ohne Hydraulik. Als "Extras" hat der Schlepper nur eine Zapfwelle, und zwar die schwere Ausführung für volle Motorleistung (großes Profil).

Am 05.08.2010 habe ich gleich mit der Restauration begonnen. Ziel ist es den Schlepper im Frühjahr 2011 wieder startklar zu haben. Der Schlepper lief bis zum Zerlegen eigentlich recht schön, aber wie es innen aussieht sieht man ja bekanntlich erst wenn man mal alles auseinander hat.
Als erstes möchte ich alle Blechteile richten und gerissene Stellen schweißen. Sind zum Glück sehr wenige, das Blech ist erstaunlich gut! Auch bei den Kühlern habe ich wohl wie damals bei meinem Pampa glück, die Augen, die zwar aus Blech sind, machen trotzdem noch einen sehr brauchbaren Eindruck. Auch sonst sind die Kühler in einem sehr guten Zustand!

Beim Auspuffkrümmer gehen die die Schrauben noch nicht auf, sind leider sehr verrostet und die Köpfe halb weggefault. Aber auch das wird sich regeln.
Mache jetzt bis zum Herbst die Blechteile fertig inklusive Lackieren, da das nur bei angenehmen Temperaturen noch einigermaßen geht. In der kalten Jahreszeit geht es dann an das Aufarbeiten des Schleppers.
2. und 3. Gang sind etwas laut, aber nicht weiter schlimm, da ich ihn eh etwas schneller machen möchte. Lenkgetriebe hat auch etwas Spiel, also Trennen ist ohnehin pflicht. Regler und Ölpumpe muss auch überprüft werden, sieht zwar auf den ersten Blick alles recht gut aus, der Regler hat aber irgendwie etwas Leergang, das stimmt meine ich etwas nicht, man wird sehen.

09.08.2010: Das Zerlegen geht ganz gut voran. Leider kommen momentan so langsam die Überraschungen ans Licht. Motor ist leider nicht mehr zu gebrauchen, Kolben hat mächtig Spiel im Zylinder. Pleuellager auf der Kurbelwelle vom Spiel her und vom Laufbild her zwar prinzipiell noch brauchbar, Hubzapfen der Kurbelwelle ist jedoch durch die lange Standzeit stark von Rostnarben überzogen, also muss alles gemacht werden. Kurbelwelle Schleifen, alles neu lagern, Zylinder schleifen und neuen Kolben verbauen.
Beim Verusch den Schwungradkeil auf der Reglerseite auszutreiben ist leider die Nase abgerissen, hoffentlich bekomme ich den noch raus ohne zu Bohren oder sonstige brachiale Gewalt... Auf der Kupplungsseite ging der Keil gut raus, Kurbelwelle und Schwungrad vom Sitz her auch super, Verzahnung im Schwungrad für die Kupplungsträgerscheiben aber extrem verschlissen. Muss dringend gemacht werden. Wie kommt's, dass die Kupplung noch recht leise lief? Ganz einfach, die Lagerung der Kupplung auf der Kurbelwelle (2 große Schwimmbüchsen) sind extrem festgebacken mit altem Fett und wahrscheinlich viel Rost, sodass sich das ganze nur mit großem Kraftaufwand ineinander drehen lässt. Dieser Widerstand hat das Klackern wahrscheinlich so stark unterdrückt...

Weitere Überraschung, als ich das Getriebeöl ablassen wollte. Schraube aufgemacht, aber es kam nix. Ist nichts mehr drin, nur noch etwas Fett/Öl-Matsch, in dem sehr viel Metallabrieb zu erkennen ist..... Hoffentlich ist das Getriebe nicht ein einziger Schrotthaufen......

19.08.2010: Bulldog jetzt bis auf Getriebe vollständig zerlegt. Reglerschwungrad ging nach keil Schwachbohren dann mit etwas mehr Kraft auch runter. Erstaunt war ich von dem Gewicht der Kurbelwelle, da ist die Glühkopfkurbelwelle ein Leichtgewicht dagegen!
Kegelrollenlager müssen getauscht werden, da sie auch standschäden aufweisen (Rost). Im Ölschleuderring klebt massenhaft altes Öl/Rostgemisch, ist nur gut, daß ich die Welle ausgebaut habe. Der Dreck hätte früher oder später die Ölbohrungen in der Welle verstopft. Es sieht irgendwie so aus, als ob im Kurbelgehäuse mal über einen längeren Zeitraum ca. 10 cm hoch das Wasser stand...

Ansonsten gab es eigentlich keine weiteren Überraschungen mehr. Regler sieht OK aus, nur ein paar kleinere Sachen sind da zum Machen. Einspritzpumpe muss ich mal durchmessen ob sie noch Druck auf die Leiung bringt, sieht aber eigentlich auch recht gut aus soweit. Ölpumpe werde ich zum Durchmessen zur Sicherheit weggeben. Vorpumpöler und Zahnradpumpe werde ich selbst überholen, wenn überhaupt etwas zu machen ist.
Die Ölleitungen werden alle erneuert, da wurde an einigen Stellen schon mal rumgeflickt, wo die Leitungen durchgescheuert waren.
Aus dem Auspuff konnte ich ca. 1 kg alten Ruß rauskratzen. Nach dem Ausbrennen war er schön trocken und ging sehr leicht raus mit einer Drahtbüste. War trotzdem eine riesen Sauerei. Immerhin ist der Auspuff jetzt schon komplett fertig.

04.11.2010: Fast zwei monate kein Update, warum denn das? Naja ich hatte viel zu tun und bin einfach nicht zum Aktualisieren der Homepage gekommen. Es hat sich aber sehr viel getan in dieser zeit:
Schlepper wurd nun komplett zerlegt inklusive Getriebe. Als es noch warm genug war hab ich erstmal sämtliche blechteile abgeschliffen, stellenweise etwas geflickt und in John Deere farben lackiert:

Fast alle Lager wurden erneuert, die Vorderradlager waren derart verschlissen, daß beim Zerlegen die Rollen aus dem Käfig gefallen sind. Die Vorderachse ist auch ganzschön ausgeschlagen und wird wieder neu rund gebohrt. Neuer Bolzen kommt natürlich auch rein.

Getriebe wurde zerlegt, gereinigt und mit neuen Zahnrädern und teilweise neuen Lagern wieder zusammen gebaut. Unter dem Differentialkranz sind auch die ganzen abgebrochenen Zähne der Zahnräder wieder zum vorschein gekommen. War insgesamt nicht weiter schlimm. Nur die Straßengruppe und 2+3 Gang waren von Karies betroffen und wären so oder so getauscht worden für etwas angenehmere Geschwindigkeiten :)

Viele Kleinteile sind auch schon fertig. Vorpumpöler, Rückholölpumpe, Kraftstoffpumpe und kompletter Regler sind fertig instand gesetzt. Zylinder, Pleuelstange, Kurbelwelle befinden sich momentan in einer Motoreninstandsetzung zum Schleifen und neue Lager einpassen. Neuen Kolben habe ich schon da. Die Ölpumpe hab ich auch zur Sicherheit mal weggegeben, habe keinen Prüfstand dafür.
Sobald ich die Teile von der Motoreninstandsetzung wieder habe geht es schon so langsam wieder an die Endmontage.
Ich denke meine anvisierte Fertigstellung ende März oder anfang April sollte ganz gut klappen ;) ... Fortsetzung folgt...

... 20.02.2011: Da ich in letzer Zeit wenig Freizeit hatte mach ich den Bericht erstmal nur mit bildern weiter.
Mittlerweile bin ich kurz vor der Fertigstellung.

Zylinder und Pleuelstange sind zurück von der Motorinstandsetzung. Alles wurde geschliffen und neue Lager eingepasst

Für den Winter habe ich mir eine Sirokko Dieselheizung gegönnt, dadurch hat man immer angenehmes Arbeitsklima in der Werkstatt und es ist das Lackieren im Winter auch kein Problem.

Das Grundgerüst ist wieder zusammen gebaut. jetzt folgte das Abschleifen mit Drahtbürste an der Flex und Entfetten der Oberfläche. Einmal noch reichlich Einheizen in der Werkstatt und das Lackieren konnte beginnen

Das Grundgerüst ist fertig Lackiert. Nun konnte der finale Zusammenbau beginnen, angefangen mit den Blechteilen

Auf die Felgen wurden neue Reifen aufgezogen (7.50 - 20 vorne und 18.4 - 30 hinten). Alles montieren, und der Lanz stand zum ersten mal seit der Restauration wieder auf eigenen Beinen!

Kurbelwelle fertig zum Einbau bestückt mit neuen Kegelrollenlagern. Hier sollte es die nächsten 20.000 Betriebsstunden keinen Ärger mehr geben :D

Kurbelwelle ist wieder montiert. Ebenso der Regler und die Ölpumpe. Sämtliche Ölleitungen wurden erneuert. Somit ist alles sauber und man kann bedenkenlos mit modernen HD Motorölen fahren. Die Ölpumpe ist nach Werksvorgaben neu eingestellt worden.

Die Elektronik wird stück für stück installiert. Der Anlasser wurde generalüberholt (neuwertig). Die Instrumente und alle Schalter etc... sind ebenfalls neu. Es kann nun mit der Endmonate begonnen werden

Kolben wieder drinnen, Motor zu. Einspritzdüse und Leitungen werden montiert. Eine Champion K97F dient als Zündquelle. Diese ist nahezu Baugleich mit der Bosch, günstig und erfüllt wunderbar seinen Zweck.

Endlich ist es soweit, der Bulldog ist startklar!

Update 01.08.2011: Mittlerweile Hat der Lanz 50 Betriebsstunden voll und läuft sehr gut. Kein vergleich mit dem Pampa. Habe schon sehr viele Treffen besucht. Spritverbrauch gefühlt ca. 1/3 der Menge vom Glühkopf, trotzdem gefühlt doppelte Leistung. Macht schon sehr viel Spaß mit dem Karrn zu fahren :)

Update 15.09.2013: Der Lanz hat noch eine Hydraulik und eine Zapfwellenverlagerung bekommen, um damit man besser arbeiten kann. Ich nähere mich langsam den 300 Betriebsstunden nach der Restauration (ca. 100 pro Jahr). Bisher alles Problemlos!